Weiterbildung zum Facharzt: Welche Klinik ist die richtige?

Mit dem Abschluss des Medizinstudiums ist bereits ein wesentlicher Teil des Weges zum Facharzt geschafft. Wenn Du schon weißt, welche fachliche Spezialisierung Du einschlagen möchtest, steht die Suche nach einer geeigneten Einrichtung für die Weiterbildung an.

Hier zeigt sich: viele angehende Fachärzte sind mit ihrer Ausbildung unzufrieden. Umso wichtiger ist es für Dich, vor der Unterschrift möglichst viele Informationen einzuholen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Worauf Du achten musst, haben wir in diesem Artikel für Dich zusammengefasst.

Weiterbildungsordnung: Diese Empfehlungen gibt es

Ärztliche Weiterbildung ist für Assistenzärzte mit Facharzt-Ambitionen unverzichtbar. Schließlich geht es in den folgenden Jahren darum, alle relevanten und bedeutsamen Inhalte des zukünftigen Fachgebiets zu erlernen und aktiv zu erleben. In Kliniken und auch im ambulanten Bereich gibt es daher spezielle Angebote für Assistenzarzt-Stellen, bei denen die „Lehrlinge“ in einer zu ihrem ausgewählten Fachgebiet passenden Abteilung tätig sind.

Wie genau die Weiterbildung dort aussehen sollte, kann je nach Einrichtung zwar unterschiedlich sein, richtet sich jedoch nach der Weiterbildungsordnung. Diese zeichnet einen Rahmen, in dem alle wichtigen Aspekte der Weiterbildung zum Facharzt benannt werden. Weiterbildungsbefugte können und sollten sich deshalb an dieser Ordnung orientieren, um bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Wie die Weiterbildungsordnung je nach Fachgebiet aussehen könnte, siehst Du anhand dieses Musters der Bundesärztekammer.

Unzufriedenheit mit der eigenen Weiterbildung ist nicht selten

Alle Einrichtungen halten sich automatisch an die Empfehlungen der Weiterbildungsordnung und bilden ausschließlich zufriedene Fachärzte aus – das wäre das Wunschszenario. Die Wahrheit sieht allerdings so aus, dass ein relevanter Anteil der Ärzte alles andere als zufrieden mit der eigenen Weiterbildung ist. Dies geht aus einer Umfrage des Hartmannbundes hervor.

Rund 800 Medizinerinnen und Mediziner nahmen an besagter Umfrage teil. Knapp 40 Prozent von ihnen bezeichneten sich selbst als unzufrieden. Einer der Hauptgründe: insbesondere die bereits angesprochene Weiterbildungsordnung wird nicht in ausreichendem Maße eingehalten. So fehlte es den Befragten unter anderem an

  • regelmäßigen Weiterbildungsgesprächen,
  • der Vermittlung vorgesehener Kompetenzen nach Plan
  • sowie der Einhaltung von Rotationsplänen.

Dies unterstreicht, wie wichtig es für Dich ist, schon vor dem Schreiben Deiner Bewerbung zu prüfen, ob sich eine Einrichtung auch wirklich als geeignet erweist. Es hilft nichts, wenn Du im Rahmen der Weiterbildung mit vielen Problemen konfrontiert bist, welche Dich vom eigentlichen Lernen abhalten. Auch der Hartmannbund spricht sich dafür aus, dass die Inhalte der Weiterbildungsordnung für Einrichtungen selbstverständlich sein sollten.

Gute Weiterbildung: Das müssen Bewerberinnen und Bewerber wissen

Um einen passenden Platz für Deine Weiterbildung zu finden, solltest Du Dir genügend Zeit nehmen. Sowohl Job-Ausschreibungen als auch Klinik-Website sowie Deine künftigen Ansprechpartner selbst können Dir viel darüber verraten, ob Du die richtige Adresse für Dich gefunden hast.

Auf diese fünf Aspekte solltest Du Dein Hauptaugenmerk legen:

Ausschreibung: Schon hier finden sich Hinweise 

​​In einer Stellenanzeige präsentieren sich Arbeitgeber in der Regel recht detailliert. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es im Gesundheitswesen einen immer deutlicheren Fachkräftemangel gibt und ambitionierte Assistenz- sowie Fachärzte ein gefragtes Gut sind. Bei der Sichtung von Stellenangeboten für Assistenzärzte lohnt es sich, die Beschreibung genau zu lesen und darauf zu achten, ob …

  • … im Rahmen der Weiterbildung auch nichtärztliche Aufgaben anstehen und wenn ja, in welchem Maß.
  • … volle Weiterbildungsermächtigungen für Dein gewünschtes Fachgebiet vorliegen.
  • … es genügend Ansprechpartner gibt oder ob auf ein großes Team aus Assistenzärzten vergleichsweise wenige Chefärzte entfallen.

Ferner verrät eine Stellenausschreibung meist schon viel darüber, wie bedeutsam Weiterbildung im jeweiligen Haus ist, ob es hier spezielle Freistellungsangebote gibt und wie die Zukunftsperspektive nach der Weiterbildung aussieht. Vorübergehende Informationslücken sind nicht weiter tragisch, da Du diese im Bewerbungsgespräch mit gezielten Fragen schließen kannst.

Klinik-Website: Umfassende Infos zu Weiterbildung sind wichtig

Gefällt Dir eine Stellenausschreibung, empfiehlt sich als nächster Schritt ein Blick auf die Website der Einrichtung. Spielt Weiterbildung im betreffenden Haus eine bedeutende Rolle, wirst Du im Karrierebereich ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden.

So sprechen sich viele Kliniken dort offen dafür aus, Weiterbildung zur Förderung des Nachwuchses fest in die Philosophie des Hauses zu integrieren. Hier könntest Du auch erfahren, ob es Chancen auf eine Übernahme gibt, wenn Du deine Facharzt-Weiterbildung abgeschlossen hast.

Vereinbarungen: Schriftlich ist besser als mündlich

Im persönlichen Gespräch solltest Du herausfinden, ob das jeweilige Haus eine schriftliche Vereinbarung zwischen Ausbildenden und Auszubildenden ermöglicht. Diese sollte sich an der bereits angesprochenen Weiterbildungsordnung orientieren und von beiden Parteien unterzeichnet werden.

Ist die Bereitschaft hierzu gegeben, spricht vieles dafür, dass der potenzielle Arbeitgeber die Weiterbildung und die Zufriedenheit der angehenden Assistenzärzte auch wirklich ernstnimmt.

Miteinander sprechen: Weiterbildung braucht Feedback

Damit Du Dich während deiner Weiterbildung nicht nur persönlich, sondern auch beruflich weiterentwickeln und verbessern kannst, braucht es regelmäßiges, fundiertes Feedback. Bringe deshalb im Bewerbungsgespräch in Erfahrung, ob der Weiterbildungsplan der Einrichtung wiederkehrende Gespräche vorsieht und wie sich diese gestalten.

Regelmäßige Feedbackrunden sollten ein fester Bestandteil des Weiterbildungsplans sein.Regelmäßige Feedbackrunden sollten ein fester Bestandteil des Weiterbildungsplans sein.

Damit verbunden ist auch die Frage, ob im Rahmen der Weiterbildung eine Form von Lernprotokoll vorgesehen ist. Weiterbildungs-Logbücher sind beispielsweise recht beliebt. Im Rahmen dieser lassen sich mögliche Lücken oder Defizite zeitig erkennen und ausgleichen. Frage daher am besten auch, wie mit solchen Situationen umgegangen wird und ob ein zeitweiliger Mehrbedarf aufgefangen werden kann.

Ansprechpartner: Fest oder unstrukturiert?

Ein besonders wichtiger Aspekt der Weiterbildung zum Facharzt ist, ob Du Dich vertrauensvoll an konkrete Personen wenden kannst. Besteht diese Möglichkeit nicht, könnte dies im Fall von Schwierigkeiten, Fragen oder Unsicherheit zu Problemen führen.

Eine gute Weiterbildung zeichnet sich außerdem dadurch aus, dass den angehenden Fachärzten Mentoren zur Seite stehen und diese ihre Schützlinge auch in Bezug auf Einarbeitung und Rotationspläne aktiv begleiten.

Arbeitsplatz: Digital hat die Nase vorne

In manchen Stellenausschreibungen ist es bereits zu sehen: auch in Deutschland bemühen sich Kliniken, immer digitaler zu arbeiten. Die Kernforderungen, die der Bundesverband Gesundheits-IT in seinem Positionspapier nennt, werden jedoch (noch) nicht überall zufriedenstellend umgesetzt.

Für Dich und Deine Weiterbildung spielt ein modernes und digitales Umfeld allerdings eine elementare Rolle. Mit entsprechenden Instrumenten und Hilfsmitteln gelingt die Arbeit nicht nur effizienter, sondern Du lernst zeitgleich auch Dinge, die in der beruflichen Zukunft relevant bleiben.

Fazit: Mit der richtigen Recherche schaffst Du selbst das Fundament für eine gute Weiterbildung

Es ist wie bei so vielem im Leben: je mehr Zeit Du in die Suche nach einer geeigneten Einrichtung für Deine Weiterbildung investierst, desto mehr Raum hast Du, um notwendige Details abzuklopfen. Deine Recherche bildet damit nicht nur das Fundament, sondern kann langfristig auch mehr Zufriedenheit mit der Ausbildung schaffen und zudem die inhaltliche Qualität deutlich positiv beeinflussen.

Achtest Du auf die in unserem Ratgeber genannten Aspekte, bist Du bereits auf einem guten Weg. Wichtig bleibt dann, dass Du auch jene Dinge ansprichst, die für Dich persönlich unverzichtbar sind. So findest Du einen Arbeitgeber, bei dem Du auch nach der Weiterbildung gerne bleibst.